Alle verrückt geworden
Während unsereiner hier in blöden Seniorenwitzchen schwelgt, dreht sich draußen die Erde weiter und mitten drauf unser kleines Land (deutsch) auf dem einige (deutsch) mittlerweile komplett den heiligen Sockenschuss (heiliges römisches Reich deutscher Nationen) empfangen haben müssen. Der Bundestag hat die Herren Arnold Tölg und Hartmut Saenger vom Bund der Vertriebenen (BdV) für den Stiftungsrat der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung benannt. Die beiden behaupten, Polen trage Mitschuld am Zweiten Weltkrieg und die Entschädigung polnischer Zwangsarbeiter sei ein Fehler gewesen. Dass der Bundestag derart offen Rechtsradikale protegiert, ist mir persönlich relativ neu, aber ich bekomme auch nicht immer alles mit.
Alice Schwarzer wiederum wendet sich an Jörg Kachelmann mit folgenden Worten: „Auch nette Männer vergewaltigen manchmal, Kollege Kachelmann. Leider."
Ich selber finde Männer, die vergewaltigen, nicht besonders nett und ich hoffe, ich stehe mit dieser Meinung nicht plötzlich alleine da. Es kann ja immerhin sein, dass in der Zeit, in der ich in meinem Wolkenkuckucksheim leer über Senioren herzog, sich sämtliche Wertmaßstäbe vollkommen geändert haben. Der Bundestag wird braun gestrichen, Alice Schwarzer findet zwar nicht Vergewaltiger nett, doch findet nette Vergewaltiger, und der Mond ist aus Schweizerkäse. In meinen offenbar hoffnungslos romantischen Idealvorstellungen vergewaltigen, morden und beuten die bösen Männer aus, während die netten eher was klassisch Nettes tun, also ab und zu mal einer alten Frau über die Straße helfen, einen Euro ins DLRG-Sparschiffchen schmeißen oder ähnliches.
Ohne im Geringsten protestantische Perfektionsansprüche zu vertreten, kann das Etikett „Netter Mann“ in meinen Augen bereits für weit geringere Vergehen abgeknibbelt werden. Analog zum eingebüßten Weltkulturerbestatus der Stadt Dresden kann man es sich natürlich auch zurückgewinnen – man muss nur die falschen Brücken wieder einreißen bzw. die richtigen neu errichten. Aber mindestens einer, an dem das Etikett garantiert nie mehr hält, fällt mir doch ein: Der Vergewaltiger.

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