Der Himmel über Berlin
Sieht wahrscheinlich gerade anders aus. Nicht so durcheinander. Aufgeräumter. Vom Standpunkt der Ordnung aller Dinge sowie dem Chaos als größtmöglicher Feind einer gegebenen Organistaion her besser. Schöner. Schließlich ist der kackbunte Abendhimmel unter den Himmeln, was die Schiebespalte unter den Website-Aufbaus(-ten?), der ungeordnete Rückzug unter den militärischen Taktiken, ein vollgeschütteter Schweinetrog unter den Essensdarreichungsformen ist. Ein bunter Himmel bedeutet einen Himmel, der sich nicht entscheiden kann und das ist nicht gut. Wenn ich so darüber nachdenke, ist er wie eine reiche Frau, die mal in diese Boutique hineinrennt und mal in jene, und, obwohl sie sich alles leisten kann, nichts kauft. Sondern der Verkäuferin in dem letzten Laden mit einer Rasierklinge die Kehle durchschneidet, Feuer an die sündhaft teuren Kleider legt, auf der Straße vor dem brennenden Haus wild auf- und abtanzt und dabei singt: „La, la, la, la, la, la, li, la“, oder so.
Nun, so ist ein bunter Himmel vielleicht doch nicht exakt, wenn ich mir das ein zweites Mal (und diesmal weitaus gründlicher!) überlege. Ich denke ja oft zweimal über die Sachen nach, und wenn dann zwei verschiedene Ergebnisse dabei herauskommen, zur Probe noch ein drittes Mal. Dann weiß ich nämlich spätestens Bescheid – und sei es nur, dass, sollte auch das dritte Resultat sich unterscheiden, die Fragestellung unlösbar und sinnlos ist, so dass es sich nicht lohnt, weiter darüber nachzudenken, es sei denn, man wäre ein ausgemachter Narr.
Vielmehr ist ein golden geschuppter und unnatürlich eingebläuter Himmel ein verlässlicher Vorbote für schlechtes Wetter. Wenn nicht am nächsten Tag, dann am übernächsten oder ganz wann anders. Und siehe da: Am ölften Tag regnete es zum ersten Mal. Der Himmel, einem Zecher gleich, der an der Bushaltestelle länger warten muss als seine volle Blase ihm gestattet, hat seine Schleusen sperrangelweit geöffnet und nässt alles ein. Die Bäume weinen. Vögel haben sich pfiffig eingegraben und Molche lachen und winken in feuchter Krume. Touristen lesen schlechte Bücher. Wie man sieht, ist die Situation für alle Beteiligten nicht ganz einfach, doch sie machen das Beste daraus. Das Wetter ebenfalls. Es macht einen auf Showdown, dass alles zu spät ist: Die Berge brechen ab und fallen auf die Straßen. Die Straßen brechen ab und fallen aufs Meer. Das Meer schäumt natürlich.
Nächstes Mal dann Bilder von der Hölle.

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Tantenfreude