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Endlich wieder Fußball

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Die Bundesliga startet in die neue Saison. Für das ZDF ein willkommener Anlass, um auf dessen Trittbrett die Quotenjubler, die sich nicht ernstlich für Fußball interessieren, von der WM herüberzuretten. „Wir nennen es Fußball“ sagen sich die arglistigen Programmplaner und bewerben offensiv ihre Liveübertragung eines irrwitzigen Wettbewerbs namens Europaligaqualifikation am Donnerstagabend. Der Traditionsverein Borussia Dortmund (51.000 verkaufte Dauerkarten) spielt gegen eine barfüßige Dorfmannschaft aus einem dieser frisch geschiedenen bettelarmen Kleinstaaten, die es bis vor 14 Tagen noch gar nicht gab. „Das wird schwer!“ raunen „Experten“ im Vorbericht. „Nicht unterschätzen!“, „Acht zentralzwergtransdüsische Nationalspieler!“ Dieselben Experten gehen wahrscheinlich auch auf irgendwelche Spielplätze, picken sich das winzigste und schwächste Kind heraus, blenden es mit Pfefferspray, verkloppen es zu siebt und jubeln dann hinterher über ihren Heldenmut. Und als ob das immer noch nicht reicht, wird ein absurder Spot hinterhergeschaltet: Sie zeigen eine Großfamilie vor dem Fernseher, die sich in einer Mischung aus Panik und Wollust schreiend auf dem Sofa türmt und sich dabei die Fingernägel vor Spannung bis auf die Grundmauern abkaut. „Aha; Schweini, Sonne, Jubelkorso“ denkt sich der ahnungslose WM-Jubler und schaltet ein.

Aber nix Schweini. Es handelt sich vielmehr um eine absolute Mogelpackung. Eine Sch(w)einsensation. Das zugrundeliegende Prinzip ist dasselbe wie in der Werbung für den Billigweinbrand „Mariacron“: Eine Villa, ein prasselndes Kaminfeuer, ein in edles englisches Tumble Tweed gekleideter Grauseigneur balanciert genüsslich einen Cognacschwenker und schwadroniert sinngemäß von „Nicht irgendetwas/ganz was Feines/nur das Beste ...“

Im Glas befindet sich aber nur dieser billige braune Fusel, den schwere Alkoholiker noch schwereren Herzens benutzen, sobald das Fensterputzmittel alle ist. Und hier spielt eben Borussia Dortmund gegen eine „Geisterstadt“ wie der Kommentator nun immerhin zugibt. Schließlich haben die Verarschten längst eingeschaltet – die Quote zählt. Und wie die Bewohner einer Geisterstadt spielen die Außenseiter denn auch, deren Torwart zu allem Überfluss augenscheinlich noch ein erkleckliches Sümmchen auf eine hohe Niederlage seines Teams gewettet hat. Zur Halbzeit steht es Vier zu Null, danach wird es noch langweiliger.

Wie man aus einer scheinbar aussichtslosen Ausgangsposition das Beste machen kann, zeigt hingegen dieser Stier, der mal eben kurz ins Publikum hopst und mit der Hybris der Claqueure ordentlich aufräumt. Eric Cantona lässt grüßen.

 

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paralleles literaversum (?, ich weiß es nicht)

Kommentar von un(korrekt) am 21.08.2010 17:14
"Wie man aus einer scheinbar aussichtslosen Ausgangsposition das Beste machen kann, zeigt hingegen dieser Stier, der mal eben kurz ins Publikum hopst und mit der Hybris der Claqueure ordentlich aufräumt. Eric Cantona lässt grüßen."


erinnert mich an eine deiner anekdoten....ob das kind schon wieder laufen kann?

anekdoten??

Kommentar von uli am 23.08.2010 14:56
Ich weiß nicht, ob das Kind schon wieder laufen kann. Ich weiß nur dass andere Kinder noch viel kränker sind, ohne vorher an öffentlichen Tierquälereien teilgenommen zu haben.