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Gemäßigter Anschiss

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Gerade wieder gemerkt, wie anstrengend es ist, wenn einem anderen die eigenen Machwerke nicht gefallen, er aber dennoch relativ ausgleichend, gemäßigt und sachlich argumentiert. Wobei das Wort "argumentiert" eigentlich sowieso nur in diesem Zusammenhang richtig passt. In solchen Fällen muss ich nämlich darüber nachdenken und darauf eingehen. Das bin ich gar nicht mehr gewohnt, das ist anstrengend und schmerzt im Kopf. Gerade in Zeiten der Internetforen geht es ja sonst meist nur noch darum, möglichst laut loszuplärren und irgendwo unter die Gürtellinie zu ballern. Also alles Dinge, die mir als Feingeist bekanntermaßen vollkommen fremd sind.

Und dabei habe ich gemerkt, wie lieb ich diese Form der Reaktion inzwiwschen gewonnen haben muss. Egal wie doof mein Anlass war - plötzlich habe ich automatisch recht, denn wer brüllt, hat Unrecht und doof ist er sowieso. Das ist so wahnsinnig bequem.

Man haut also zum Beispiel irgendwas Unausgewogenes raus und denkt schon bald "Hm, das war jetzt aber ein bisschen sehr unausgewogen und beinhaltet gewisse Angreifbarkeiten, die ich selbst unter Zuhilfenahme der üblichen schwammigen Totschlagausreden wie 'Glosse', 'Ironie', 'Überspitzung' nicht zu hundert Prozent parieren kann"  - zack! - schon kommt die Rettung vom Feind selber: "Rabää, rabää, blöd, schlecht, Arschloch, rabää ..." Da muss ich doch nicht mehr drüber nachdenken, vielen Dank.

Also bitte weiter so, sonst kehrt hier im Hause noch Einsicht uind Nachdenklichkeit ein. Und das wollen wir doch alle nicht.

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