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Heraus zum 2. Mai!

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Ab wann ist irgendetwas Tradition? Ich denke, spätestens ab dem fünften Mal. Zum fünften Mal veranstaltet übermorgen, am Samstag den 2. Mai, die Liga für Kampf und Freizeit in diesem Jahr ihren folglich traditionellen Aufmarsch zum folglich traditionellen internationalen Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen.

Was aber habe ich damit zu tun? Bin ich nicht privilegiert, verdiene ich nicht zurzeit sogar Geld mit einer Arbeit, die mir Spaß macht, ein Zustand, von dem ich vor wenigen Jahren kaum zu träumen gewagt hätte?

Eben. Und warum sollte es nicht jedem von uns so gehen? Das Recht zu einer sinnvollen Selbstverwirklichung sollte jedem zugestanden werden. Sicher auch das Recht auf Faulheit, doch die wird es in dieser Form vermutlich weniger geben, als es sich die Funktionäre eines repressiven Lohn- und Arbeitssystems heute ausmalen.

Faulheit an sich ist nicht existent. Faulheit ist Depression, Krankheit oder Verweigerung. Auch Folgesymptome wie Alkoholismus, Kriminalität oder Tätigkeiten beim Fernsehen stehen in direktem Zusammenhang.

Der Mensch an sich ist neugierig und sozial. Entzieht man seiner resignativen Reaktion die Grundlage, wird man überrascht sein, wie freiwillig er sich in den Dienst eines Ganzen stellt, dass sich zum Positiven gewandelt hat:

- Kein Zwang zur Lohnarbeit
- Vernünftige Grundversorgung für alle, ohne Bedingungen
- Automatisierung ohnehin entmenschlichter und entmenschlichender Arbeitsprozesse: Mein Freund ist Roboter!
- Der Rest steht sicher hier auf dieser wunderbaren Seite, ich hab's schließlich nicht auswendig gelernt, wozu auch: Mein Freund ist Internet!

Und natürlich könnte das Thema auch für mich persönlich bald wieder aktueller werden, als mir lieb ist. Darauf brachte mich eine Interviewfrage, ob ich denn, wenn es (was jederzeit denkbar ist) nicht so weiterliefe wie jetzt, mir vorstellen könne, wieder ins Taxi zurückzukehren.

Nein, war meine Antwort. Neinneinneinneinnein! Niemals! Eher geh ich auf Hartz 4, Hartz 5, Hartz 6, Hartz 2000, Hartz XP, Hartz 2.0.. Das mag manchem despektierlich klingen, der ob seiner Arbeitslosigkeit verweifelt, der Kinder- oder Gläubigermäuler zu stopfen hat, aber ich für mich und in meiner Situation meine es ernst. Die positive Erfahrung eines halbwegs selbstbestimmten Handelns hat mich für den klassischen Arbeitsmarkt verdorben. Ob mit Bezahlung oder eben ohne - ich habe genug zu tun, ich langweile mich nicht, ich mache Dinge, die allemal sinnvoller sind als nächtelang unbezahlt, ungebraucht und hochfrustriert an Taxiständen herumzustehen und Zeitungen zu lesen, die nur für solche Zwecke geschrieben wurden.

Wir sehen uns am 2. Mai um 13 Uhr am Senefelder Platz.

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