Klopapier alle
Normalerweise müsste ich das twittern, das wäre immerhin ein typischer Inhalt, aber es gibt nach wie vor Kommunikationstechniken, derer ich mich nicht bediene: Rauchzeichen, Bienentanz, Taubstummensprache, Verständigung durch unterschiedlich dosierte Arschtritte und eben Twitter. Also blöke ich, was ich der Menschheit meine, unbedingt über mein wahnsinnig interessantes Leben mitteilen zu müssen, weil das die Menschheit nun mal wahnsinnig interessiert. In Zukunft wird, frei nach Andy Warhol, jeder Mensch alle anderen für 15 Minuten ganz schrecklich langweilen. Dasselbe gilt freilich auch schon für die Gegenwart. Umso geringer die eigene Bedeutung, desto fetter wird sie unterstrichen. Ein Pfeifen im Wald quasi, wenn der Wald denn ein Blatt Papier wäre, schon bevor man ihn zu diesem Zweck durch die Mangel der Papierfabrik gedreht hat und das Pfeifen ein Stift, um auf dem Blatt Papier (Wald!) eben die nicht vorhandene Bedeutung zu unterstreichen und äh brumm
Ich denke, dass in naher Zukunft auch jeder von uns ein eigenes Museum gewidmet bekommt. Das interssiert zwar ebenfalls keinen, aber es macht sich gut für das eigene Selbstbewusstsein. Dann kann ich jeden Morgen durch mein Museum flanieren und in Raum zwei liegt dann so ein Packen Tempotaschentücher in einem Glaskasten und darin ein Papptafel auf der steht: "Diese Taschentücher benutzte Dings als er am Morgen des 05. Juli 2010 bemerkte, dass das Klopapier alle war."
Und ich dann so: "Hm, hm, is ja n Ding. Was damals alles passiert ist und was damals alles möglich war! Was ein toller Hecht, dieser Dings - huch, das bin ich ja selber! Schön!
Ich bin unheimlich aufgewühlt und würde das tolle Erlebnis gerne teilen (twittern, blöken, Fressenbuch, Arschtritt, ganz egal ...), aber es geht nicht, weil genau zur selben Zeit alle anderen Menschen durch ihre eigenen Ich-Museen stromern und sich ganz genau dasselbe denken. Wir sind allein.

Zurück: Brasilien futsch

Huch!