Nieswurz
Tja, lange nicht geblökt. In London hatte nämlich nicht nur die U-Bahn gestreikt, sondern auch das Internetz. Millionen von Internetzmitarbeitern protestierten im Cyberspace, schoben brennende Bytes auf die Datenautobahnen und blockierten so die Leitungen. Schade, ich hatte extra ein paar Ersatzblöks im Handgepäck mitgeführt, die mir unverbraucht verdarben. Aber man muss auch die Werktätigen verstehen, die unter viel zu schlechten Bedingungen für uns rund um die Uhr das Netz gestrafft halten, damit sich keine Daten drin verfangen: eine unglaublich eintönige und anstrengende Arbeit und dabei so schlecht bezahlt!
Das Fußballspielen in England habe ich gut verkraftet. Meine eigene Konditionsschwäche hinderte mich zum Glück an einer Überstrapazierung der Muskeln und Gelenke durch übermäßige Bewegung. Gewonnen haben wir trotzdem, aber ich schwöre beim Augenlicht meines Schmuseteddys Schorsch: Ich habe nichts damit zu tun gehabt!
Nachdem die Engländer bis dahin sehr freundlich schienen, zeigten sie sich dann kurz vor dem Abflug doch noch von jener Seite, deren trauriges Lied bis heute die Dresdener singen. Von der in London herrschenden Schwüle leicht verschwitzt wurden wir in eine Abflughalle gepfercht, und von riesigen Ventilatoren in Sturmstärke mit todbringendster Polarstluft bepustet. Ich glaube, die fünf Minuten, innerhalb derer ich mir einen heftigen Schnupfen zuzog, waren Rekordzeit in meiner persönlichen Schnupfenzuziehungsgeschwindigkeitshistorie. Muss ich da noch dazusagen, dass ich auch heute stark verschnupft bin?
Ach, ich sag's mal einfach dazu: Ich bin auch heute noch stark verschnupft.

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