Schock in der Abendstunde
Gestern abend wollte ich gerade los zum Fußballtraining, als es an der Wohnungstür klingelte. Ich dachte Folgendes: "Es hat geklingelt, da will jemand rein beziehungsweise mich sprechen - machste einfach mal schnell auf. Nanu?" Genauergesagt waren meine Gedanken in einer anderen Reihenfolge geordnet: "Nanu? Es hat geklingelt, da will jemand rein beziehungsweise mich sprechen - machste doch einfach noch mal schnell auf." Also zuerst "Nanu", aber das tut eigentlich nichts zur Sache. In jedem Fall aber hätte ich besser nicht aufgemacht. Denn vor der Tür stand eine Abordnung von Senioren, die alle ein böses Gesicht machten.
"Sie wissen warum wir gekommen sind", sprach ernst der Chefsenior, den man unschwer an den meisten Falten und dem goldenen Gehwagen ausmachen konnte.
"Nein" log ich frech.
"Wegen der Ampelhasen. Sie haben unsere Gefühle verletzt."
"Seit wann haben Senioren Gefühle?" fragte ich besser nicht. Ich wusste, dass die Situation ernst war und versuchte auch nicht mehr, mich herauszureden. Stattdessen zog ich es vor, mich winselnd und um Gnade schreiend vor ihnen zu Boden zu werfen, und zum Zeichen meines Wiedergutmachungswillens wie ein Wurm immer im Kreis um ihre alten Füße herumzuwinden und diese solcherart vom Staub der Straße zu befreien. Doch es half nichts. Sie hebelten mich mit ihren Gehstöcken hoch und schmierten mir eine schauderhafte Altencreme ins Gesicht, die entsetzlich stank und meine wenigen Falten derart glättete, dass ich für die nächsten fünf Jahre im Kino nur noch Filme mit FSK 0 würde sehen können, was meinen Freizeitplänen einen feisten Strich durch die Rechnung machte. Des Weiteren pellten sie auf mir hartgekochte Eier und schrien die ganze Zeit "Wie? Was? Was hat er gesagt?" Es war schrecklich.
Kein Wunder, dass ich danach beim Training an praktisch sämtlichen Gegentoren mehr oder weniger beteiligt war. Erst der Remix des Brecht'schen Solidaritätsliedes von Ivo Lotion konnte mich wieder beruhigen.

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DSL statt LSD
die letzte bastion der gnadenlosen ehrlichkeit, das fort knox der nächstenliebe scheint in seinen grundfesten erschüttert. katapulte schleudern päzise vernichtend, mottenkugeln auf die hannemansche klingelanlage. einige der belagerer standen schon unter kaiser augustus am katapult, diesem brutalen erfahrungswert ist anscheinend nichts mehr entgegenzusetzen.
kapitualation? nein!
resistance? JA!
wie konnte es nur soweit kommen? sind es womöglich die auswirkungen von jahrelanger LSD-Politik, die dem gräntner (gräßlicher rentner) -einer militanten splittergruppe der sonst so allseits geachteten rentner- die möglichkeit gaben, sich um untergrund zu formieren und mottenkugeln zu horten?
die lösung des problems liegt wahrscheinliche in der umkehr der bisherigen hannemanschen politik. DSL statt LSD!
die adaption und weiterentwicklung vom bewährtem zuckerbrot & peitsche prinzip -heute DSL, also nur zuckerbrot- könnte für entspannung im feindlichen lager sorgen und über kurz oder lang wieder zu einem friedlichen miteinander führen.
bleibt zu hoffen, das herr hannemann noch die kraft für ein solch geschicktes manöver hat und nicht schon längst -versteckt unter einem berg von mottenkugeln- filigrane klingelanlagenschoner aus mottenwolle häkelt.
vive la resistance!