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Vorwort

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Welch bizarrer Reigen der Überflüssigkeiten: Schon wieder ein Buch und schon wieder ein Vorwort. Ich persönlich halte von Vorworten ja rein gar nichts. Was im Buch drin steht, zeigt doch schon das Inhaltsverzeichnis oder die sogenannte KL, die „Kurze Lüge“ (Herausgeberjargon) auf der vierten Umschlagsseite. Ohne jenen gnadenlos bescheuerten Vollpfeifen, die sich nicht entblöden, ihre Bücher mit einem Vorwort zu garnieren wie ein Tellergericht mit einem absolut geschmacklosen Salatblatt, im Geringsten nahetreten zu wollen: Vorworte sind ein vorauseilender Offenbarungseid für alles, was danach kommt. Denn dem wird ja anscheinend nicht vertraut, sonst müsste man es weder vorbereiten noch erklären. Wer Vorworte verfasst, analysiert auch bei Witzen umständlich die Pointe, fragt postkoital „Wie war ich?“ und streicht beim Internet-Banking auf der TAN-Liste die verbrauchten TAN-Nummern ab. Vorworte sind minderwertiges Geschwafel zur Ankündigung von minderwertigem Kram, dessen Wert sie allein durch ihre Existenz sogar noch weiter mindern. Schließlich stellt bereits der Begriff „Vor-Wort“ unmissverständlich klar, dass es sich um gar kein richtiges Wort handelt, sondern nur um die primitive Vorstufe eines Wortes ähnlich dem Vormenschen als unvollkommene Frühform des Menschen. Wo der Homo Sapiens weise das Wort erhebt, grunzt der Vormensch bloß sein Vorwort: „Ugga, ugga! Ich Tarzan, du Leser! Ich klug und lustig – du mir jeden Scheiß glauben! Ugga, ugga!“

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Natürlich ist es nicht per se falsch, fallweise seine Absichten anzukündigen. Das kann sogar Menschenleben retten, wie die Angewohnheit des Bären, sich vor dem Angriff aufzurichten, die der Klapperschlange, zu rasseln, bevor sie beißt, oder die des Peruanischen Pinselleguans, mit den Krallen der rechten Vorderpfote eine Art „Peace“-Zeichen zu formen, ehe er seine hochgiftige Kacke in die Augen des Reviereindringlings spritzt.

Aber das sind Tiere! Von einem Menschen hingegen, noch dazu einem, der des Lesens und Schreibens mächtig sein will, erwarte ich schon etwas mehr. Und von mir selber natürlich ebenfalls. Warum also sollte ich hier ein Vorwort schreiben? Bin ich etwa auch bescheuert?

Nun, ganz einfach: Der Verlag will es so. „Wir möchten das Buch gerne verkaufen“, verkündet er vollmundig. Man habe nämlich Großes mit mir vor: Der Absatz solle sich wenigstens diesmal nicht auf das eine Exemplar beschränken, das meine Mutter immer kauft, um es ungelesen an meine Freundin zu verschenken, die es in der U-Bahn gegen ein Obdachlosenblatt tauscht, wobei sie mit der Zahlung des doppelten Preises der Zeitung nachhelfen muss, damit der Stadtstreicher ihr das Buch überhaupt mit spitzen Fingern abnimmt, um anschließend mit den herausgerissenen Seiten seine offenen Füße zu umwickeln, die den Verband am Ende aber leider abstoßen.

„Verkaufen, verkaufen“, stöhne ich mit zur Decke verdrehten Augen. Dann blicke ich den Verlag mit milder Verachtung an, wie man sie für einen dummen Jungen übrig hat, der noch lange nicht begreifen wird, worum es im Leben wirklich geht. „Verkaufen ist Humbug. Viel wichtiger ist doch, dass alle Menschen glücklich sind.“

Ein Vorwort erreicht jedoch exakt das Gegenteil, denn es täuscht und belügt die Menschen, vergiftet ihre Seelen, belegt unnötig Hirnkapazitäten, und trägt zur zusätzlichen Zerstörung der Wälder bei. Aber der Verlag hört ja nicht auf mich. Weder, was meinen Vorschlag betrifft, die Bücher zu verschenken, um ihre Verbreitung anzukurbeln, noch meine genialen Titelvorschläge wie „Mängelexemplar“ oder „Wer das liest, ist doof“. Ach, ich sehe gerade: Die gibt es beide schon. Letzteres immerhin auf Verkaufsrang 3.534.652 bei Amazon.de - schau einer an: Da hat die Mutter des Autors wohl versehentlich zwei Stück gekauft. Selbst die Geißel der Altersdemenz findet noch ihre Profiteure.

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