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Wann dös des Nannerl wüsst ...

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Es ist leider ein etwas unappetitliches Thema, aber ich bin guten Mutes, dass das nicht so auffällt, da mir zuweilen ja auch in unverdächtigere Inhalte ein wenig exkrementbelastete Sprache hineinrutscht. Aber es ist mir wichtig. Und bestimmt nicht nur mir, denn es könnte unser aller Leben revolutionieren: Im Fernsehen kam ein Bericht darüber, dass sie der Scheiße im Klärwerk jetzt Musik von Mozart vorspielen, damit die Mikroben besser gelaunt sind und flotter arbeiten, so dass weniger Schlamm übrigbleibt, also Scheißschlamm. Dabei galten Mikroben bislang in der öffentlichen Wahrnehmung als komplette Idioten, die noch nicht mal Ohren haben. Wie soll das folglich funktionieren?

Nun, man hat die pfiffigen kleinen Burschen offensichtlich unterschätzt. Denn Mikroben brauchen keine Ohren, sie fühlen die Musik mit jeder Fiber ihres Körpers und ja, ihrer Seele. Die Seele speziell des Mikrobenweibchens ist, zum Ausgleich für die relative Primitivität seiner Physiognomie, von wunderbarer Größe, Vielfalt und Komplexität.

Das sind eben Dinge, die unter dem Mikroskop weder mess- noch nachprüfbar sind, und doch sind sie nach der Rechnung der Natur nur logisch. Denn die Natur behandelt unter dem Strich alle gleich. So ist der Elefant groß, sieht aber schlecht. Der Mensch kann ganz gut denken, hat aber einen miesen Charakter. Der Affe ist geschickt, doch mangelt es ihm an Ernsthaftigkeit. Die Wühlmaus ist klein und dumm, dafür fromm und sensibel. Die Mücke lebt nicht lang, zum Ausgleich jedoch äußerst intensiv. Die Gurke trägt ein schickes grünes Kleid, ist aber sehr langsam. Und so weiter.

Na klingelt's? So rechnet die Natur, so gleicht sich alles aus. Selbst innerhalb derselben Spezies. Denn wie angedeutet ist die Seele des Mikrobenmännchens nicht ganz so feinziseliert wie die seiner Liebsten. Während die Mikrobenfähe also "Mozart, Mozart, Mozart ..." fühlt, fühlt der, dafür übrigens kräftigere und theoretisch besser einparkende, Mikrobenbock immer nur "Scheiße,Scheiße, Scheiße ..." Umso besser ergänzen sich beide beim Zersetzen des Klärschlamms.

Als Mozart würde es mir hingegen schon ein bisschen stinken, zu was da meine Musik gebraucht wird. Da fällt es schon schwer, als Künstler nicht allzu empfindlich zu sein und nicht im Sarg zu rotieren wie eine Kugel im Flipperautomat.

Allerdings passt es für mein Empfinden nicht so ganz zur künstlerischen Mentalität eines klassischen Komponisten, Bildhauers oder auch Malers, den Kot und die darin hausenden Mikroben zu belustigen. Literaten wiederum sollten sich da weniger haben. So wäre ich selber keinesfalls beleidigt, wenn sie der Scheiße meine Bücher vorlesen würden. Ich glaube, ich wäre sogar ein bisschen stolz. Schließlich wäre es für einen guten und nützlichen Zweck. Da kann man ruhig mal ein paar Meter vor die Tür seines Elfenbeinturms treten.

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