Was ich nicht mag
Warum ich mir hier immer die Mühe mache und mit diesem Geblöke wertvolle Arbeits- und Schreibzeit verschwende, die mir nicht nur keiner bezahlt, sondern obendrein auch kaum jemand zur Kenntnis nimmt, werde ich von wohlmeinenden Seelen manchmal gefragt. Allzumal, da es sich meist um selbstreferenzielles Blabla handelt und nicht um wertvolle Diskussionsbeiträge zum aktuellen politischen oder kulturellen Geschehen wie in anderen Blogs. Einerseits ist dies ja kein Blog, sondern ein Blök. Doch die anderen Argumente sind schon richtig. Die Konsequenz: Ab heute fasse ich mich kürzer. Und zwar so richtig kurz. So kurz, dass es schon fast schmerzt, doch eine Amputation, eine Diät, ein Heilfasten schmerzt nun mal. Affensaukurz.
Nur dass allernötigste wird hier noch stehen. Es ist ja auch, wie immer, nichts passiert. Man sitzt eben so rum und macht so vor sich hin. Da kann ich mir beileibe Spannenderes vorstellen. Kein Wunder also, dass ich so wenige Stammleser habe. Wenn die Eisenbahntypen nicht wären, sähe ich ganz schön alt aus.
Eigentlich sehe ich aber auch so schon ziemlich alt aus. Weil ich alt bin – so deutlich muss man das mal das sagen. Ich lebe nur noch in der Vergangenheit, erzähle, denke und schreibe immer dasselbe, an das ich mich bereits im nächsten Moment nicht mehr erinnern kann und drehe mich wie ein alter Brummkreisel in einem Fort (Hölzerner Palisadenbau im wilden Westen) um mich selbst. Mit dem Entschluss, ab sofort hier nur noch drei Zeilen mit dem allerwichtigsten (wie etwa: „... Lange nachgedacht. Alles wieder vergessen. Die Haare in den Ohren wachsen. Mehltau liegt auf dem Ficus. Zeit für meinen Grießbrei. Oder lieber eine Ecstasy? ...“) zu füllen, so ähnlich wie im Facebook, geht es mir glaube ich sehr, sehr gut auf ne schrullig perfide Art. Und diese Zeilen kann man sich wahrscheinlich genauso sparen, deshalb fange ich gleich damit an. Mich aufs wichtigste zu beschränken. Kampf der Redundanz. Weg mit dem leeren Wort. Tod der Wiederholung. Nieder mit der Phrase. Kampf der Redundanz. Hab ich schon. Egal. Kann man gar nicht oft genug sagen. Vor allem wenn man sonst nichts zu sagen hat.
Genau das ist nämlich der Punkt (ich sagte es bereits?). Hohles Gelaber, eine Zeitverschwendung, die mich letztlich davon abhält, meinen großen Schlüsselkindroman nicht nur zu vollenden, sondern überhaupt erst anzufangen. Vielleicht gelängen mir dann endlich auch einmal so wunderfein zaubrige Sätze wie der Schauspielerin Jeanette Hain, die in der Tagesspiegelprominentenrubrik „Was ich mag - Was ich nicht mag“ zu Protokoll gibt, was sie am Kino schätzt: „Sich in die Dunkelheit zu versenken, umarmt von der Sehnsucht nach einem weitwilden Land.“ An ihrem Leben: „Dass ich nach einer langen schmerzschönen Reise beglückt bei mir daheim angekommen bin und die Angst nur noch selten vor der Tür steht.“
Weniger mag sie hingegen „Wenn sich morgens gegen drei das bleierne Gedankengespenst auf mich wirft und dabei mein Hirn explodiert.“ Ich glaube, das würde ich auch nicht mögen. Das schwere Gedankengespenst! Mitten in der Nacht! Nur ihre Begründung verstehe ich nicht ganz. Mir fielen ja als erste Argumente gegen diesen Angriff des Gedankengespensts Ruhestörung, Körperverletzung, Hausfriedensbruch und Grober Unfug ein, eventuell auch sexuelle Nötigung. Und nicht, dass mein Hirn explodiert. Ganz davon abgesehen, dass ihres ja schon längst explodiert zu sein scheint.
Eigentlich gar nicht so schwer, das mit dem Kurzfassen.

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